Drei Expertern diskutierten über mediengeschulte Politiker, über die Kronen Zeitung und Österreich und die Gefahr der „Verhaberung“ zwischen Politikern und Journalisten.
Nicht so sehr die Politik, sondern Medien waren das zentrale Thema der Podiumsdiskussion „Journalismus im Spannungsfeld der politischen Parteien“. Christoph Kotanko (Chefredakteur Kurier), Andreas Koller (Stellvertretender Chefredakteur Salzburger Nachrichten) und Josef Achleitner (Innenpolitik-Ressortleiter OÖ Nachrichten) diskutierten am 19. April in Braunau über die Rolle der Medien.
Medienfirme Politiker
„Wir sind Geburtshelfer und Totengräber für Nachrichten“, erklärt Christoph Kotanko in seiner Anfangsrede. Täglich treffen rund 1000 politische Meldungen in den Redaktionen ein und Journalisten können über ihre Auswahl entscheiden. Auch Andreas Koller meint, dass „das eine Prozent, das von der Nachrichtenauswahl noch übrig bleibt, schon ein Kommentar ist.“ Die übereinkommende Meinung der drei Diskutanten: Medien machen Meinung.
Aber nicht nur die Medien möchten meinungsbildend sein, insbesondere die Politik ist bemüht, Botschaften an die Bevölkerung wirksam zu übermitteln. Die Politiker haben in den letzten Jahren massiv im Umgang mit den Medien dazugelernt. Koller hebt hervor, dass Politiker und Journalisten mit denselben Waffen kämpfen würden. Fürs Fernsehen seien die Politiker sehr gut medial geschult, zum Teil besser als Printjournalisten. Diese Tatsache könne der Zuseher jeden Sonntag in der „ORF-Pressestunde“ beobachten. Aber auch ORF-Journalisten würden sich schwer tun, gegen einen Molterer oder Grasser anzukommen. Koller zitiert dazu einen Satz von Martina Salomon (Innenpolitik-Ressortleiterin der Presse): „Den Molterer zu interviewen ist genauso unmöglich, wie einen Pudding an die Wand zu nageln.“
Josef Achleitner erläutert, dass es insbesondere auf kommunaler Ebene schwer sei, Abstand zu den Politikern zu halten. „In Wien habe ich mich viel leichter getan, Distanz zu halten. In Linz dringt die Macht der Politiker noch stärker durch“, sagt Achleitner.

Diskussionsleiter Wolfgang Lammel, Josef Achleitner, Christoph Kotanko und Andreas Koller auf dem Podium.
Foto: Gymnasium Braunau
Keine Gefahr von Österreich
Ein anderes Thema des Abends waren die beiden polarisierenden Tageszeitungen Kronen Zeitung und Österreich. Der Chefredakteur des Kuriers hebt die einzigartige Situation der Kronen Zeitung in Österreich hervor, da sie über 40 Prozent der Leserschaft erreiche, was in Europa einzigartig sei. Der Einfluss der Zeitung führe so weit, dass „viele österreichische Politiker überlegen, ob das, was sie sagen, ‚Kronen-Zeitung-kompatibel’ ist.“ Andreas Koller erklärt, dass schon viele Politiker über diese Zeitung gestolpert seien. Mit einer reißerischen Nachricht würde man auch relativ leicht in die Zeitung kommen. Nicht ganz ohne Humor meint er dazu: „Wenn man als Polizist einen farbigen Asylanten verprügelt, hat man gute Karten, in die Zeitung zu kommen.“
Bezüglich Österreich teilen Achleitner und Kotanko dieselbe Meinung: Ihre beiden Zeitungen haben sich intensiv auf die Konkurrenz vorbereitet. Während es für Kotanko eine „sehr heilvolle Sache für den österreichischen Tageszeitungsmarkt“ war, berichtet Achleitner, dass die Leserschaft von Österreich in Oberösterreich knapp unter der des Neuen Volksblattes liege. Achleitner bemängelt an der Zeitung, dass es zwar viele gute Ideen gäbe, aber sie hätte kein einheitliches Konzept.
Koller verweist auf die Gründung des Standards im Jahre 1988. So habe in der Presse damals große Aufregung geherrscht, doch gebe es die Zeitung auch heute noch. Beispielsweise habe sich dadurch die Montagausgabe, die früher nur acht Seiten dünn war, beträchtlich verbessert.
Demonstrierte Unabhängigkeit als Problem
Überparteilich betrachten sich alle drei Zeitungen. Kotanko betont, dass die Bedrohung für die Unabhängigkeit einer Zeitung nicht von der Politik komme, sondern von der Wirtschaft. Er nennt dafür ein Beispiel: Der Kurier hat im Vergleich zu anderen Tageszeitungen relativ kurz über die Erfolge der Raiffeisen Holding berichtet. Zu Recht habe Raiffeisen Einwände erhoben. Kotanko hat mit dem Wirtschaftsressortleiter Rücksprache gehalten, der gemeint hat, dass „wir darüber nicht so detailliert berichten können, weil Raiffeisen ja Miteigentümer der Zeitung ist.“ Kotanko folgert daraus, dass die demonstrierte Unabhängigkeit auch für einen Chefredakteur problematisch sein könne.
Um doch noch auf das eigentliche Thema des Abends zurückzukommen: Alle drei Journalisten warnen vor der „Verhaberung“ zwischen Journalisten und Politikern. So versucht Andreas Koller, „mit Politikern nicht per Du zu sein“.
Nach eineinhalb Stunden setzen Kotanko, Achleitner und Koller ihr „Vorgespräch am Biertisch“ (Zitat Koller), das vor der Diskussion stattgefunden hat, als weiterführendes Gespräch im Wirtshaus fort.